Der begehbare Kleiderschrank – mehr als nur Stauraum

Meine erste Wohnung hatte einen Kleiderschrank, der aussah wie ein überdimensionierter Sarg auf Beinen. Die Schiebetüren klemmten, und um an die Winterjacke zu kommen, musste ich ein ganzes Tetris-Spiel aus Kisten und Taschen umschichten. Das war nicht praktisch, es war täglicher Kleinkampf. Als ich dann vor zwei Jahren in eine Altbauwohnung mit einer kleinen, aber hohen Nische zog, war die Idee eines begehbaren Kleiderschranks geboren. Ich wollte nicht nur Kleidung aufhängen, ich wollte einen Raum zum Atmen haben. Wo ich morgens stehen kann und wirklich alles sehe, was ich besitze. Kein Stapel mehr, der hinten im Regal vergammelt.

Die größte Hürde war die Fläche. Die Nische war nur 1,80 Meter breit und 1,40 Meter tief. Ein begehbarer Kleiderschrank in diesen Maßen? Viele Handwerker schüttelten den Kopf und empfahlen mir eine normale Schrankwand. Aber ich blieb hartnäckig. Ich habe mir überlegt, wie ich den Raum optimal nutze. Statt einer Tür mit Scharnieren, die wertvollen Platz frisst, habe ich einen Vorhang aus schwerem Leinen gewählt. So kann ich die ganze Breite zum Hineingehen nutzen. An der Rückwand habe ich ein durchgehendes Kleiderstangensystem montiert, das bis unter die Decke reicht. Darunter ein niedriges Regal für Schuhe, und an der Seitenwand ein schmales Auszugsystem für Hosen und Tücher.

Plötzlich hatte ich das Problem, dass der Raum so schmal war, dass man beim Anziehen kaum stehen konnte ohne mit dem Kopf an die Regale zu stoßen. Die Lösung war ein kleiner Hocker aus Eichenholz, der auch als Ablage dient. Und ich habe gelernt, dass die Beleuchtung entscheidend ist. Eine einzelne Deckenlampe wirft Schatten auf die Kleidung. Ich habe mir LED-Strips unter die Regalböden geklebt und einen schmalen Spiegel an die Innenseite der Vorhangstange gehängt. Jetzt sieht man die Farben richtig. Der begehbare Kleiderschrank wurde zu meinem täglichen Morgenritual, nicht zu einer Frustquelle.

Dann kam der Punkt, an dem ich merkte, dass ich mehr Platz für Gäste brauchte. Die kleine Wohnung hat kein separates Gästezimmer. Also begann die Suche nach einem Möbelstück, das beides kann: Tagsüber ein elegantes Sofa, nachts ein Bett. Ich entschied mich für eine Kanapee mit Funktion schlafen, die mit einem Mechanismus DL ausgestattet ist. Das bedeutet, dass die Liegefläche in zwei Schritten ausgeklappt wird und keine sperrigen Kissen herumliegen. Die Tapisserie habe ich in einem warmen Beigeton gewählt, der an Leinen erinnert. Das Tagesbett wirkt jetzt wie ein gemütliches Lesesofa, und nachts schläft mein Bruder darauf wie auf einem richtigen Bett.

Der Knackpunkt war die Matratze. Viele Schlafsofas haben eine dünne Schaumstoffauflage, auf der man nach einer Stunde wach liegt. Ich habe mich für ein Modell mit einem 16 cm Matratze Schaumstoff auf einem Stellage Lattenrost entschieden. Das klingt sehr technisch, aber es macht den Unterschied zwischen einer durchwachten Nacht und einem erholsamen Schlaf. Die Matratze ist fest genug für den Rücken, aber nicht zu hart. Und das Beste: Die Kanapee hat einen integrierten Bettkasten. Ein Bett mit Behälter für Bettwäsche war für mich ein Muss. Decken und Kissen finden darin Platz, ohne dass ich einen extra Schrank brauche.

Ich habe auch eine kleine Couch mit Schlaffunktion im Arbeitszimmer getestet. Das Prinzip ist ähnlich, aber die Liegefläche war kürzer. Für große Gäste ist das nichts. Die Kanapee mit Schlaffunktion im Wohnzimmer ist da viel besser, weil sie eine durchgehende Liegefläche von 200 cm hat. Die einzige Herausforderung war die Höhe. Sie steht etwas höher als ein normales Sofa, aber das ist mir lieber als ein flaches Polster, das nach unten rutscht. Die Veloursstoff Polsterung fühlt sich weich an und ist trotzdem pflegeleicht. Ein roter Weinfleck ließ sich mit einem feuchten Tuch abwischen.

Manchmal frage ich mich, ob ich nicht einfach eine Schlafcouch kaufen sollte. Aber die Schlafcouch ist oft zu weich für den Alltag. Die Kanapee mit Schlaffunktion dagegen hat eine stabile Sitzfläche, die nicht . Das ist wichtig, wenn man den ganzen Tag darauf sitzt und arbeitet. Ich habe gelernt, dass ein begehbarer Kleiderschrank nicht alles lösen kann. Aber er gibt mir das Gefühl von Ordnung und Raum. Und wenn Gäste kommen, verwandle ich die Nische schnell in eine kleine Umkleide, während die Kanapee im Wohnzimmer zum Bett wird. So funktioniert das Zusammenspiel.

Die letzte Entscheidung war die Farbe der Gardinen. Ich habe mich für einen dunklen, fast schwarzen Vorhang entschieden, der den begehbaren Kleiderschrank wie eine kleine Bühne wirken lässt. Wenn ich das Licht einschalte, strahlt alles warm. Die Kombination aus der massiven Eichenholzkommode und der hellen Kanapee mit Schlaffunktion gibt dem Raum eine ruhige Balance. Ich bereue keine einzige Stunde Planung. Es ist nicht perfekt, aber es funktioniert für mich. Und das ist das Wichtigste.

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